„Moritz nehme ich gerne mit und auf ihn sprechen mich die Bewohnerinnen und Bewohner schon am Eingang des Hauses an, wenn sie mich kommen sehen! …Er ist allerdings ein bisschen frech. Er duzt einfach alle, bohrt in der Nase, bis er von jemandem ein Taschentuch bekommt oder ist mit offenen Schuhen unterwegs, bis jemand ihm die zubindet.“ Monika Muth, Ehrenamtliche im Wichernhaus in Iserlohn strahlt, wenn sie erzählt: „Für mich ist ja das Siezen selbstverständlich, gutes Benehmen. Moritz ist ganz anders als ich!“ Es funktioniert genauso, wie es sich die inzwischen 62-Jährige vorgenommen hat: Ihre bunt angezogene Handpuppe Moritz aktiviert die Lachmuskeln und die Hilfsbereitschaft der betagten Menschen im Wichernhaus. Sie helfen dem frechen Kerl nämlich sehr gerne, aktivieren ihre Finger, um Halstuch oder Schuhe wieder fest zu machen!
Monika Muth liebt es kreativ zu sein und das zeigt sich auch in ihrem ehrenamtlichen Engagement. Sie ist schon seit circa 13 Jahren Ehrenamtliche im Haus. Damals war sie auf der Suche nach einer Aufgabe in dem Bereich, aus dem sie beruflich kommt, denn sie ist examinierte Altenpflegerin. Aufgrund von Krankheiten, die sie in eine frühe Rente brachten, konnte die vierfache Mutter damals nicht weiterarbeiten. Das war hart. Sie vermisste eine Beschäftigung und die Struktur, die sich daraus ergibt und entschied sich dafür, ein Angebot des Wichernhauses anzunehmen: Sie besuchte einen Kurs, der dort – ganz in ihrer Nähe – angeboten wurde und ließ sich dort ausbilden, um seelsorgerliche Gespräche führen zu können. „Seitdem bin ich dabei. Ich mag das Wichernhaus sehr und erlebe, dass es ein Haus ist, in dem jeder Mensch als sehr wichtig geachtet wird. Das ist einfach schön. Mein Ehrenamt muss sich zwar an mein gesundheitliches Leben immer wieder anpassen, aber genau deshalb habe ich schon eine Menge erlebt!“
„Neben Moritz kommt momentan meine Veeh-Harfe sehr gut an,“ berichtet sie. Mit diesem Instrument auf dem Tisch vor sich begleitet die 62-Jährige Volkslieder oder geistliche Lieder. Sie zupft die Melodien bekannter Lieder nach einem bildlichen Muster, das sie hinter die Saiten klemmt. So zeigt sich genau die Stelle, an der an der Saite gezupft werden muss. In der Cafeteria sitzt sie so bei einigen Bewohnerinnen und Bewohnern, die freudig in das Singen einstimmen. „Das Singen öffnet die Herzen und verbindet – andere Menschen schauen mal vorbei und wir haben dann eine Mischung aus Gespräch und Singen.“ Und Monika Muth erzählt mir davon, wie schön es ist, dass eine Frau, die einmal früher selbst eine Zither besaß, auf ihrer Veeh-Harfe spielt und in ihren Erinnerungen schwelgt.
Früher konnte Monika Muth ihr Akkordeon mitbringen. Dann hatte sie einen ganzen Raum voller Menschen, die mitsangen. „Besonders stark war, dass wir Woche für Woche immer am Ende des Singens "Großer Gott wir loben dich" gesungen haben und immer haben wir alle dafür einen großen Kreis gemacht und uns an den Händen gehalten und dann auch das Vaterunser gebetet. Das wollten die Bewohnerinnen und Bewohner jedes Mal. Meine Schulter machte das Akkordeonspielen nicht mehr mit und so war das Kapitel irgendwann beendet.“
Besonders eindrücklich war die Corona-Zeit. „Es war sehr schlimm, dass wir einfach keinen Kontakt mehr haben durften. Aber meine Freundin und ich haben gebastelt wie die Weltmeister. Wir haben im Garten des Wichernhauses viele bunte Lichter auf gestellt. Wenn die Bewohnerinnen und Bewohner aus ihren Zimmern schauten, sahen sie die kleinen Leuchtzeichen und wussten, dass jemand an sie denkt. Ich habe auch Steine bemalt und an der Tür abgegeben, einen Glücksstein für jeden, darüber haben sich alle gefreut.“
Ehrenamt kann mitgehen und sich verändern, so wie es gut passt. Es bleibt eine Verbundenheit zum Haus und seinen Menschen, die wechselseitig guttut. Das sieht man beim #ehrenmensch Monika Muth!
Danke für das Gespräch!
